Erst als er zu ihr gefunden hatte, fand er endlich auch zu sich selbst. Mit diesen Worten resümierten Hans Christian Schmidt-Banse und Annette Kristina Banse aus Osnabrück, Musik- und Literaturwissenschaftler, die durch die Verlobung erstmals besiegelte Beziehung des Komponisten Carl Maria von Weber mit seiner „Lina“ im Jahr 1816.
„Zeit für Musik“ lässt in Webers Liebesleben blicken
In einem Lesekonzert aus der Reihe „Zeit für Musik“, das eine Melange aus sowohl musikalischen Beiträgen als auch Tagebucheinträgen und Briefzitaten der beiden Liebenden bot, entschlüsselten die beiden Rezitatoren die gemeinsame Geschichte von Weber und Caroline Brandt, dem womöglich herzigsten Paar der Musikgeschichte überhaupt. Unterstützt wurden Banse und Schmidt-Banse von den Musikern Wolfgang Mechsner (Klavier), Birgit Gründwald (Querflöte) und Raphaël Walter am Violoncello.

Gaben einen Einblick in das Leben des Komponisten Carl Maria von Weber (v. r.):
Hans-Christian Schmidt-Banse, Annette Kristina Banse,
Wolfgang Mechsner, Raphaël Walter und Birgit Grünwald.
Wie in der Atmosphäre eines Privatissimums – einer Lehrveranstaltung mit eher privatem Charakter – entführten die Vorlesenden die rund 50 Zuhörer ins Herz der Verbindung zwischen Carl Maria von Weber und Caroline Brandt. Schmidt-Banse und seine Frau zeichneten dabei ein umfassendes Bild des Komponisten und seines Ehelebens im Wechselspiel mit dessen Musik.
Durch Wissen über einen Musiker, so der Ansatz der beiden Wissenschaftler, ließen sich Gefühle zur Musik noch steigern. Und mit jenem Konzept des „Concerto recitativo“ wolle man sozusagen einen Interpretationsvorschlag für das Musikhören liefern. Gebannt lauschte so auch das Vechtaer Publikum in der kleinen Aula der Universität Vechta den gekonnt und unterhaltsam vorgetragenen Textauszügen, die der Musik gleichsam einen „wissenden Spiegel“ vorhalten konnten. Einfühlsam und sehr ausdrucksstark untermalte der Pianist und Hochschullehrer Wolfgang Mechsner die Texte unter anderem mit Takten aus der berühmten Klaviersonate As-Dur op. 39, die der im Mittelpunkt des Abends stehende Komponist etwa im Jahr seiner Verlobung mit „Lina“ komponiert hatte. Ein Nomade sei er bis zu diesem glücklichen Ereignis gewesen; ein Umherziehender, der immer fort wolle, um sich in anderen zu suchen – das sagte Weber damals über sich selbst.
Dass auch Leichtigkeit in seinem Leben eine Rolle spielte, nicht zuletzt bedingt durch die verliebte und liebevolle Gemeinschaft mit Caroline, vermittelte das Duo Mechsner und Birgit Grünwald sehr passend auf die jeweiligen Textabschnitte abgestimmt mit musikalischen Auszügen aus verschiedenen Sonaten für Flöte und Klavier.
Die Reise durch Webers Leben endete in der Realität sehr abrupt. Während eines Aufenthaltes in London starb der Komponist 1826 nach nur acht kurzen Ehejahren an Schwindsucht. Die Musiker jedoch konnten nach dieser Schilderung erst richtig beginnen. Mit sattem und mitreißendem Celloklang und mit großer Virtuosität und Einfühlungsvermögen an Flöte und Klavier schlossen sie das Konzert mit dem Trio g-moll op. 63.
Von Julia Banke



