Klavierabend Roland Pröll

Einen Klavierabend zu geben gehört gewissermaßen zur Königsdisziplin des Konzertierens: allein mit sich und dem Instrument muss der Pianist nicht nur „spielen“, sondern auch Atmosphäre und Raum schaffen, um den Werken zur klanglichen Verwirklichung zu verhelfen.

Roland Pröll Roland Pröll beim Vortrag am 11.11.2009

Der Abend am Mittwoch, den 11. November war ein bedeutender Klavierabend. Roland Pröll begann mit den Brahms Balladen op. 10: Werke, die mir immer ein wenig fremd vorkamen; seit Mittwoch nicht mehr, denn in der Interpretation entfalteten sie den ganzen klanglichen Zauber melancholischer Landschaften.

Ich erinnere mich nicht daran, jemals unseren Flügel so schön klingen gehört zu haben.

Ja und Schumann op. 17: diese schwierige Musik, oft aus dem Geist der Improvisation geboren, eine Sprache mit ihren eigenen musikalischen Gesetzmäßigkeiten (rubati!) – Prölls inspirierendes Spiel regte den Hörer zu vielen eigenen Bildern an: der Leidenschaft, der Melancholie, der Sanftheit, Zartheit, Liebe … Und ich hatte das Gefühl, der Flügel freute sich, mal in all seinen Möglichkeiten wirklich „rangenommen“ worden zu sein.

Roland Pröll Roland Pröll beim Vortrag am 11.11.2009

Beethoven Op. 111 – dieser erratische Block innerhalb der gesamten Klavierliteratur war einzigartiger Höhepunkt des Abends.

Wohl kaum ein Werk ist so grenzgängerisch wie die op. 111: alle Facetten des Menschlichen – Körper, Seele und der unendliche Geist finden in der Musik ihren Ausdruck und ihren „Übergang“ in alle Welten. Den Beginn des 2. Satzes habe ich noch nie mit dieser Dimension gehört, an die Sprache kaum heranreicht.

Eine Woche vorher hatte Roland Pröll im Vortrag über die späten Beethoven-Sonaten gesprochen und am Klavier auf vieles hingewiesen. Aus dem Fundus einer jahrzehntelangen Erfahrung mit diesen Werken konnte man erleben, was ein Leben mit und in der Musik bedeuten kann: das es darum geht, die Dinge immer tiefer zu verstehen … das Schöne am Leben eines Musikers!

2 Kommentare zu: Klavierabend Roland Pröll
  1. Katrin
    November 25, 2009 | 01:25

    Bislang hab ich mir nicht vor Augen führen können, dass ein und derselbe Flügel, an dem schon so viele Menschen gesessen haben, in so ausgeprägt unterschiedlicher und wunderbarer Form erklingen kann.

    Zusammenfassend kann kommentiert werden, dass der Abend in jeglicher Art und Weise eine musikalische Bereicherung war und jeder Ton/Klang genossen wurde. Neben den musikalischen Fähigkeiten des Musikers, über deren Ausmaß ich mir gar nicht anmaßen kann, Aussagen zu treffen, haben Ausstrahlung und Persönlichkeit des Interpreten eine Atmosphäre schaffen können, in der man die Musik „einfach“ auf sich wirken lassen konnte (ja quasi „musste“).

  2. Ulrike
    November 30, 2009 | 17:26

    Der Vortrag und das Konzert waren ein echtes Geschenk. Ich hatte mich bereits nach dem Vortrag darauf gefreut, den Beginn des zweiten Satzes im Zusammenhang zu hören. In seiner Einfachheit, Klarheit und Eindringlichkeit hat mich dieser Teil tief berührt.

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